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Adalas erwachte von der Stille. Noch ehe er seine Umwelt richtig wahrnahm, wusste
er, dass etwas Schlimmes passiert war. Für einen Moment waren alle Vögel still gewesen,
erfüllt von einer Trauer, die das Atmen schwer machte. Er stand von seinem Lager auf und trat
auf das Flett, genau in dem Moment, als seine Mutter die Leiter hinauf kam. Er sah ihr in die
Augen, sah ihre Trauer und wusste im selben Moment, dass sein Vater tot war.
Es dauerte mehrere Wochen, bis sie aufbrachen. Die Trauerfeierlichkeiten waren lang, Adarion hatte
viele Freunde gehabt. Adalas wäre gerne in Caras Galadhon geblieben, doch seine Mutter wollte
zu ihrer Familie nach Edhellond zurück. Adalas sah über die goldenen Blätter,
spürte die friedliche Atmosphäre. Er wusste, wenn er zurück kam, würde er ein
Fremder sein, und doch würde er diesen Blick nie vergessen. Er konnte in der Ferne das
Rauschen des Anduin erahnen, sich das Licht der Laterne an der Festwiese vorstellen und wurde
unendlich traurig. Das, was er hinter sich ließ, war nicht weniger als sein ganzes Leben.
Aus einem spontanen Einfall heraus ging er noch einmal zu seines Vaters Grab. Als er den polierten,
schwarzen Marmor des Gedenksteins sah, musste er innehalten und begann zu schluchzen. Für
einen unendlich langen Moment schien die Welt still zu stehen, als sich eine Hand auf seine
Schultern legte. Er blickte auf und sah in die Augen Felagols, des besten Freundes seines Vaters.
Überrascht schaute Adalas ihn an.
"Mae govannen, Felagol."
"Mae govannen, Adalas. Ich weiß, dass ihr bald aufbrecht, aber ich wollte dir noch etwas
geben." Er zog ein sehr langes, dunkel umwickeltes Päckchen hinter seinem Rücken
hervor.
"Adarions jetziger Langbogen wurde von den Orks zerstört, ich fand die Überreste in der
Nähe seiner Leiche. Aber er hat mir diesen Bogen anvertraut. Dieser Bogen hat ihm dein
Großvater geschnitzt, als Adarion ungefähr so alt war wie du. Er wollte, dass du ihn
nimmst und ein so guter Jäger wirst wie er - wenn nicht noch besser."
Adalas schluckte, als er das Paket entgegen nahm. Bis jetzt hatte er nur mit Kurzbögen,
Kinderspielzeug, geschossen. Er hatte gedacht, dass ihm sein Vater in ein paar Jahren alle Tricks
beibringen würde. Doch als er den Bogen aus dunklem Eschenholz in die Hand nahm, spürte
er den Schatten seines Vaters hinter sich. Er bekam nur halb mit, wie ihm Felagol einen Pfeil
reichte, doch er spürte die Kraft seines Vaters, die sich mit seiner vereinten, als er den
Bogen spannte. Sein Atem wurde eins mit der Umgebung, sein Pulsschlag bestimmte den Lauf der Welt.
Für einen Moment wurde alles totenstill, ehe der Pfeil die Sehne verließ und zielgenau in
einem 50 m entfernten Brückenpfeiler einschlug. Felagol pfiff anerkennd.

"Respekt, Respekt. Dein Vater kann stolz auf dich sein. Tu ihm einen Gefallen und pass auf deine
Mutter auf. Nach dem, was du eben gezeigt hast, mache ich mir weniger Sorgen um euch beide."
Adalas schaute grimmig zu ihm herüber. "Ich werde meine Mutter sicher nach Edhellond bringen,
aber dann wird mich mein Weg in die Welt hinaus führen. Und solange noch ein Ork lebt, um das
Blut eines Elben zu vergießen, solange werde ich durch die Lande streifen und Saurons Brut
jagen - bis eines Tages die Welt frei von diesem Ungeziefer ist."
"Das sind harte Worte, Adalas. Gib Acht, dass du keinen Schwur leistest, den du nicht halten
kannst. Doch ich mache dir ein Angebot: geh mit deiner Mutter und übe mit dem Bogen. Und wenn
du dann, in dreißig, fünfzig, oder hundert Jahren, bereit bist, in die Welt
hinauszuziehen, dann komm zu mir. Gemeinsam werden wir einen Weg finden, Saurons Schergen zu
bekämpefn."
Felagol sah Adalas so ernst an, dass Adalas sich wieder ganz klein fühlte. Dann nickte er.
"Ich werde kommen, Felagol, und ich werde kämpfen."
Nach einem letzten Blick auf das Grab seines Vaters wandte sich Adalas um und verließ Felagol.
Bald würden Caras Galadhon und der Goldene Wald hinter ihm liegen. Doch was vor ihm lag,
würde die Zeit enthüllen müssen.
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