Der kalte Nordwind ließ Leahleila erschauern, jedoch war die Nacht ansonsten ruhig
und friedlich. Der Sternenhimmel über Lothlorien glitzerte, funkelte und schlug sie, wie so oft, in
seinen Bann, so dass der Schauer schnell wieder verschwand.
Versunken in dem Lichtspiel der Sternenflüsterer über sich, dachte Leahleila daran, wie weit ihr
Weg gewesen war, um an diesem Ort die Pracht über sich genießen zu können.
Seit sie sich erinnern konnte, war sie alleine auf der Welt umhergezogen, zumeist ohne großes Ziel,
dafür aber immer bereit einem Abenteuer auf der Spur zu bleiben. Zum Glück für sie, war sie als
Waffenmeisterin dabei durchaus in der Lage auf sich aufpassen zu können, auch wenn sie keine
Ausbildung im eigentlichen Sinne durchlaufen hatte, so war die Schule des Lebens doch der weitaus
kritischere Lehrmeister für sie gewesen.
Ihre eigene Vergangenheit lag weitaus mehr im Dunkel, als der aktuell über ihr funkelnde
Nachthimmel. Alle Versuche etwas Licht in diese Schwärze zu tragen, hatten sich als fruchtlos
erwiesen. Im Laufe der Zeit hatte Leahleila allerdings gelernt diesen Zustand als gegeben zu
akzeptieren, auch wenn sich ab und an in einem der seltenen ruhigen Momente das Bedürfnis mehr über
die eigene Vergangenheit wissen zu wollen, auf leisen Sohlen einschlich und sich als Schatten auf
ihre Seele legte.
Eines jedoch konnte sie, je länger ihr Weg der Abenteuer währte, vor sich selbst nicht mehr
verbergen, nämlich, dass sie an Grenzen stieß. Leahleila hatte noch nie Probleme gehabt mit sich
alleine zu sein, die Gasthäuser hatten sie noch nie gelockt, und wenn es sich tatsächlich nicht
vermeiden ließ eines aufzusuchen, so blieb sie meist im Schatten, als stille Beobachterin eines
Lebens, welches nicht ihres war.
Aber die Erkenntnis, auch wenn sie sich nur langsam anschlich, wie ein bösartiger Wolf in Eregion,
dass etwas in ihrem Leben fehlte, ließ sich irgendwann nicht mehr verdrängen, ohne dass Leahleila
aber hätte sagen können, was es genau war.
Das Erkennen dessen was fehlte trat schlagartig ein, als sie eines Tages in den Nordhöhen auf eine
junge Jägerin traf, mit der sie sich zusammentat, um gemeinsam einer großen Anzahl von Wargen das
Fell abzuziehen. Es war eigentlich ganz einfach, ihr fehlte die Nähe zu anderen Abenteurern Mittelerdes,
eine Gemeinschaft, die in der Lage war, die fehlende Familienband, zwar nicht ersetzen, aber doch
etwas auffangen zu können.
So lernte Leahleila über die junge Wargjägerin aus den Nordhöhen Mordeana, eine Waffenschwester,
kennen, die ihr die Möglichkeit gab, ihren eigenen und ganz persönlichen "Silberstreif" am Horizont
erkennen zu können. Seit diesem Tag musste sich Leahleila zwar der Erkenntnis stellen, wie wenig
sie bislang in ihrem Leben tatsächlich gelernt hatte, was sich jedoch durch die wachsende Bande der
Gemeinschaft Schritt für Schritt ausgleichen lies.
Aufgrund eines erneuten Windstosses wieder erschaudernd, diesmal allerdings mit wohligem Gefühl,
legte sie sich, mit einem Lächeln auf dem Gesicht, zum Schlafen nieder, jedoch nicht ohne im
Gedanken an den Tag in den Nordhöhen, einen Dankesgruß gen Himmel zu senden, zu ihrem auserwählten
Glückstern am Nachthimmel von Lothlorien.
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